{"id":324,"date":"2021-02-05T12:46:21","date_gmt":"2021-02-05T11:46:21","guid":{"rendered":"https:\/\/qm-beratung-krankenhaus.de\/?p=324"},"modified":"2026-03-23T11:24:03","modified_gmt":"2026-03-23T10:24:03","slug":"commentaire-sur-la-definition-de-la-qualite-dans-le-document-methodologique-de-liqtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/kommentar-zur-definition-der-qualitaet-im-methodenpapier-des-iqtig\/","title":{"rendered":"Commentaire sur la d\u00e9finition de la qualit\u00e9 dans le document m\u00e9thodologique de l'IQTIG"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Institut f&uuml;r Qualit&auml;t und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) hat in seinem Methodenpapier<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> einen Versuch unternommen, &bdquo;Qualit&auml;t im Gesundheitswesen&ldquo; zu definieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder kann, wenn er denn einige Regeln einh&auml;lt, ein Konzept so definieren wie er es f&uuml;r richtig und praktisch h&auml;lt. Er kann auch eine Bezeichnung daf&uuml;r w&auml;hlen, die ihm gef&auml;llt. Dabei sollte jedoch dreierlei beachtet werden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die definitive Beschreibung eines Konzeptes sollte in sich logisch und nachvollziehbar sein und nur solche Begriffe verwenden, die selbst bereits definiert sind oder sich unmissverst&auml;ndlich aus der Gemeinsprache ergeben.<\/li>\n\n\n\n<li>Fach- und Normalsprachen m&uuml;ssen bei der Wahl einer Bezeichnung ber&uuml;cksichtigt werden. Gewisse Verschiebungen in Nuancen sind manchmal unumg&auml;nglich. Wird die Bezeichnung &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; verwandt, sollte die Definition in der Fachsprache beachtet werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Praxistest muss bestanden werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass die Anwendung des fachlichen Qualit&auml;tsbegriffes auf die Qualit&auml;tssicherung in der Gesundheitsversorgung sehr gut m&ouml;glich ist und ich sehe keinen Grund, die international und in Fachkreisen anerkannte Definition zu verlassen. Wir sollten die Vorteile der neueren Qualit&auml;tskonzeption f&uuml;r die Qualit&auml;tssicherung in der Gesundheitsversorgung endlich erschlie&szlig;en. Insbesondere f&uuml;r die Arbeit des IQTiG k&ouml;nnte das sehr fruchtbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w&auml;re zu untersuchen. <a href=\"https:\/\/qm-beratung-krankenhaus.de\/2021-02-05_kommentar-kapitel-1-methodenpapier-iqtig-v-1-3-2021-02-05\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lies den gesamten Beitrag<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Institut f&uuml;r Qualit&auml;t und Transparenz im Gesundheitswesen Methodische Grundlagen V1.1 Stand: 15. April 2019 <a href=\"https:\/\/iqtig.org\/dateien\/dasiqtig\/grundlagen\/IQTIG_Methodische-Grundlagen-V1.1_barrierefrei_2019-04-15.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/iqtig.org\/dateien\/dasiqtig\/grundlagen\/IQTIG_Methodische-Grundlagen-V1.1_barrierefrei_2019-04-15.pdf<\/a>, zuletzt abgerufen 2021-02-05<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die IQTiG-Definition<\/h1>\n\n\n\n<p>Im Abschnitt 1 &bdquo;Qualit&auml;t der Gesundheitsversorgung&ldquo; hei&szlig;t es:<\/p>\n\n\n\n<p>&bdquo;Das IQTiG definiert Qualit&auml;t <strong>in der<\/strong> Gesundheitsversorgung daher wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p>Qualit&auml;t <strong>der<\/strong> Gesundheitsversorgung ist der Grad, in dem die Versorgung von Einzelpersonen und Populationen Anforderungen erf&uuml;llt, die patientenzentriert sind und mit professionellem Wissen &uuml;bereinstimmen.&ldquo; (Hervorhebung von mir)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Definition wird mit &bdquo;daher&ldquo; an die vorausgeschickten S&auml;tze angeschlossen. Dort hei&szlig;t es:<\/p>\n\n\n\n<p>&hellip;&ldquo;die Gesundheitsversorgung ist danach zu beurteilen, inwieweit sie diese &uuml;bergeordneten Ziele und die daraus abgeleiteten Anforderungen erf&uuml;llt&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>Vier Fragen stellen sich:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Was ist unter Versorgung von Einzelpersonen und Populationen zu verstehen?<\/li>\n\n\n\n<li>Die Anforderungen k&ouml;nnen &ndash; so der Kontext &ndash; aus &uuml;bergeordneten Zielen einiger normativer Dokumente abgeleitet werden. Sie sollen patientenzentriert sein und mit professionellem Wissen &uuml;bereinstimmen. Sind damit Anforderungen, die nicht patientenzentriert sind und mit professionellem Wissen nicht &uuml;bereinstimmen, ausgeschlossen? Sind Ziele Anforderungen? Oder gilt allgemein als Ziel, Anforderungen zu erf&uuml;llen? Oder sind nicht alle aus den &uuml;bergeordneten Zielen ableitbar? Wer stellt das wie fest? Was sind die Prinzipien der Patientenzentrierung? Was ist professionelles Wissen?<\/li>\n\n\n\n<li>Woran erkennt man, ob die Anforderungen erf&uuml;llt werden?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie wird bei der Skalierung ber&uuml;cksichtigt, wenn nicht alle Anforderungen, sondern nur einige erf&uuml;llt werden oder wenn die Anforderungen nur teilweise erf&uuml;llt werden oder &ndash; kombiniert &ndash; einige Anforderungen nur teilweise erf&uuml;llt werden? F&uuml;r die methodische Frage, wie die Qualit&auml;t bewertet, vielleicht sogar gemessen werden soll, w&auml;re das von ausschlaggebender Bedeutung.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die Definition kann sich &ndash; anders als behauptet &ndash; nicht auf die Definition in DIN EN ISO 9000:2015 berufen. Sie passt auch nicht zu der Definition des Institute of Medicine.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die ISO-Definition<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Definition aus DIN EN ISO 9000:2015 wird nur bruchst&uuml;ckhaft zitiert. Vollst&auml;ndig hei&szlig;t es<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p>&bdquo;Qualit&auml;t: Grad, in dem ein Satz inh&auml;renter Merkmale (3.10.1) eines Objektes (3.6.1) Anforderungen (3.6.4) erf&uuml;llt&ldquo;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ziffern in den Klammern verweisen auf die in der Definition eingesetzten Begriffe, die an anderer Stelle definiert werden. &bdquo;Inh&auml;rent&ldquo; wird in Anmerkung 2 mit &bdquo;einem Objekt innewohnend&ldquo; als Gegensatz zu &bdquo;zugeordnet&ldquo; erl&auml;utert.<\/p>\n\n\n\n<p>&bdquo;Ein Satz&ldquo; wird der Normalsprache entnommen wie f&uuml;r einen Satz von Schraubenschl&uuml;sseln oder einen Bestecksatz aus Messer, Gabel und L&ouml;ffel. Damit sind Dinge gemeint, die zwar zusammengeh&ouml;ren, aber nicht gleichwertig sind, also auch nicht verrechnet werden k&ouml;nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Definition des IQTiG kommt ohne die Bestandteile &bdquo;ein Satz inh&auml;renter Merkmale eines Objektes&ldquo; aus. An die Stelle des (allgemeinen) &bdquo;Objektes&ldquo; tritt &bdquo;die Versorgung von Einzelpersonen und Populationen&ldquo;. Das wirkt zun&auml;chst harmlos wie eine Spezifikation, um die Definition auf die Gesundheitsversorgung anzupassen. So einfach ist es aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &Auml;nderung wirft drei Probleme auf:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die &bdquo;Versorgung von Einzelpersonen und Populationen&ldquo; wird zu einer Entit&auml;t, die Anforderungen erf&uuml;llen soll. Das ist sie aber nicht. Mit &bdquo;Versorgung von Einzelpersonen und Populationen&ldquo; werden &ndash; bei genauer Betrachtung &ndash; zwei Klassen von Objekten zusammengefasst, die sorgf&auml;ltig auseinandergehalten werden m&uuml;ssen, n&auml;mlich die Klasse der einzelnen Behandlungsma&szlig;nahmen zur (1) Versorgung von Einzelpersonen und die Klasse von organisatorischen Strukturen und Regeln zur (2) Versorgung von Populationen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Wenn die Definition f&uuml;r beide Arten der Versorgung gelten soll, dann muss &bdquo;Versorgung von Einzelpersonen&ldquo; mit &bdquo;oder&ldquo; von der &bdquo;Versorgung von Populationen&ldquo; getrennt, also nicht durch ein &bdquo;und&ldquo; verbunden werden.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Elemente der Klassen &ndash; die Ma&szlig;nahmen zu (1) oder Regeln zu (2) &ndash; k&ouml;nnen tats&auml;chlich Anforderungen erf&uuml;llen oder nicht. Die Klassenbezeichnungen erf&uuml;llen jedoch keine Anforderungen. Man kann nur feststellen, ob etwas dazugeh&ouml;rt oder nicht. Was also soll die Anforderungen erf&uuml;llen? Die einzelnen Behandlungen oder die Versorgung ganzer Populationen mit solchen Behandlungen? Das bleibt unbestimmt.<\/li>\n\n\n\n<li>Man stellt sich die Frage, woran die Erf&uuml;llung der Anforderungen erkannt wird. Die fachliche Definition l&ouml;st das so: ein Objekt hat Merkmale, an denen man unterscheiden kann, ob eine Anforderung erf&uuml;llt wird oder nicht. Merkmale sind das, woran man etwas merkt. Sie k&ouml;nnen qualitativ (oder besser: nicht-quantitativ) oder quantitativ sein. Fr&uuml;her hat man Qualit&auml;t als Gesamtheit der Merkmale aufgefasst, die Anforderungen erf&uuml;llen. Das war unzureichend. Heute (oder seit der Revision ISO 9000:2015) steht dort &bdquo;ein Satz inh&auml;renter Merkmale&ldquo;, um deutlich zu machen, dass die Merkmale zwar zusammengeh&ouml;ren, aber nicht gleichwertig sind.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Eine Versorgungsleistung hat kennzeichnende Eigenschaften &ndash; eben Merkmale. Die Merkmale der Versorgung erf&uuml;llen entweder die Anforderungen oder nicht (qualitativ) oder zu einem gewissen Grad (quantitativ). Das kann man dann pr&uuml;fen oder messen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Definition des IQTiG entfernt aus der Definition der Qualit&auml;t das Objekt der Betrachtung und dessen Merkmale, die es am Ende zu messen oder zu pr&uuml;fen gilt. Wie soll das gutgehen?<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; DIE IOM-Definition<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Definition des IQTiG sollte sich auch nicht auf die Definition des Institute of Medicine <a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> berufen. Dort wird zwar die Bezeichnung &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; verwandt, die definitorische Beschreibung passt jedoch besser zur Wirksamkeit. Wirksamkeit ist das Merkmal einer Handlung, die die Wahrscheinlichkeit eines gew&uuml;nschten Ereignisses erh&ouml;ht. Das IOM reduziert die Qualit&auml;t auf das Merkmal Wirksamkeit.&nbsp; Das entspricht durchaus der damaligen (1990!) Auffassung. Inzwischen hat das IOM entdeckt, dass weitere Merkmale zum Satz der inh&auml;renten Merkmale medizinischer Leistungen geh&ouml;ren wie z. B. die Sicherheit (so mit dem Dokument To Err is Human im Jahr 2000). Die Definition des IOM ist &ndash; in der Ausdrucksweise des IQTiG &ndash; nur eindimensional und sollte endlich verworfen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz richtig hei&szlig;t es im Methodenpapier:<\/p>\n\n\n\n<p>&bdquo;Gemeinsam ist allen Rahmenkonzepten, dass sie deutlich machen, dass Qualit&auml;t multidimensional ist und nicht anhand weniger, isolierter Aspekte umfassend beurteilt werden kann.&ldquo;<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon, dass hier Dimensionen, Aspekte und Merkmale durcheinandergehen, ist diese Erkenntnis Grund genug, in die Definition von Qualit&auml;t &bdquo;ein Satz von Merkmalen eines Objektes&ldquo; aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vorschlag einer Definition<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Definition m&uuml;sste also lauten:<\/p>\n\n\n\n<p>Qualit&auml;t (einer medizinischen Leistung) ist der Grad, in dem ein Satz inh&auml;renter Merkmale der Behandlung einzelner Personen Anforderungen erf&uuml;llt&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>Qualit&auml;t (der Gesundheitsversorgung einer Population) ist der Grad, in dem ein Satz inh&auml;renter Merkmale der Versorgungsorganisation einer Population Anforderungen erf&uuml;llt&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles Weitere (was sind und wer stellt die Anforderungen, was sind die Merkmale einer Behandlung?) wird dann am besten in Anmerkungen erl&auml;utert.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>In der Gesundheitsversorgung kann die Qualit&auml;t der Behandlung einzelner Personen oder die Gestaltung der Versorgung ganzer Populationen betrachtet werden. Der Gegenstand der Betrachtung muss immer kenntlich gemacht werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Anforderungen k&ouml;nnen festgelegt, &uuml;blicherweise vorausgesetzt werden oder allgemein verpflichtend sein.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Anforderungen als Verpflichtungen ergeben sich meistens aus allgemein anerkannten Normen wie KRINKO-Richtlinien, Leitlinien der Fachgesellschaften, Laborrichtlinien einschlie&szlig;lich des gesetzlichen Rahmens wie Patientenrechte-Gesetz, Arzneimittelgesetz, Transfusionsgesetz, Strahlenschutz, Arbeitsschutz usw. zur Erstellung von medizinischen Leistungen. Weitere Anforderungen werden in dem jeweiligen sozialen, kulturellen und politisch-wirtschaftlichen Zusammenhang &uuml;blicherweise vorausgesetzt, ohne dass sie eine weitere Begr&uuml;ndung oder erneute explizite Formulierung erforderlich machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Anforderungen werden vom Empf&auml;nger der Leistung selbst oder aus seiner Sicht festgelegt, meistens nach einer sorgf&auml;ltigen Erhebung seines Bedarfes. Der Empf&auml;nger der Leistung muss die Anforderungen nicht aus eigenem Wissen festlegen. Er kann sich dabei fachlich beraten lassen und mit dem Leistungserbringer abstimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Anforderungen k&ouml;nnen von interessierten Parteien gestellt werden, die selbst nicht Empf&auml;nger der Leistung sind. Sie k&ouml;nnen sich dabei an allgemeinen Grunds&auml;tzen, Prinzipien oder eigenen Zielen orientieren.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Wirksamkeit und Sicherheit sind Beispiele f&uuml;r Merkmalsklassen des Designs (Entwurfes); Dauer, Stabilit&auml;t, Robustheit, Koordination und Kontinuit&auml;t sind Beispiele f&uuml;r Merkmale der Performanz; die Annehmbarkeit ist eine Klasse von Design- und Performanz-Merkmalen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Angemessenheit ist ein Merkmal der Auswahl eines Verfahrens.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>In der medizinischen Qualit&auml;tssicherung wird bevorzugt die Qualit&auml;t der Leistung selbst (Design) und die ihrer Erbringung (Performanz) betrachtet. Das ausgew&auml;hlte Behandlungsverfahren soll dem Bedarf des Leistungsempf&auml;ngers entsprechen. Die allgemeinen sozialen Bedingungen der Gesundheitsversorgung m&uuml;ssen dabei ber&uuml;cksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Gegenstand der Betrachtung<\/h1>\n\n\n\n<p>Grunds&auml;tzlich k&ouml;nnen die Versorgung von Einzelpersonen und die Versorgung von Populationen gleicherma&szlig;en Gegenstand einer Qualit&auml;tsbetrachtung sein. Man kann die Versorgung eines Patienten mit einem Herzschrittmacher in einer Klinik (Versorgung einer einzelnen Person) betrachten. Oder man untersucht die Versorgung aller Versicherten einer Region, die an einem AV-Block leiden (Versorgung einer Population).<\/p>\n\n\n\n<p>Dazwischen liegen aber Welten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konfusion entsteht durch die ungekl&auml;rte Verwendung des Wortes &bdquo;Gesundheitsversorgung&ldquo;. Ist damit die Behandlung einzelner Patienten (medical practice) gemeint oder die Gesamtheit der organisatorischen Voraussetzungen f&uuml;r die Leistungserbringung (health care system, public health)?<\/p>\n\n\n\n<p>Was von beidem ist nun Gegenstand der Betrachtung?&nbsp; Wird die Gestaltung des Gesundheitsmarktes betrachtet &ndash; das tut die OECD mit ihren Indikatoren &ndash; oder die einzelnen medizinischen Leistungen, die in ihrer Gesamtheit zur Gesundheit beitragen sollen? Beides kann man herauslesen. Die grundlegende Aufgabe des IQTiG ist die Bewertung der Qualit&auml;t von Leistungen, die von den Leistungserbringern im station&auml;ren Bereich erbracht werden. Was aber, wenn Schwerpunkte gesetzt werden, je nachdem &bdquo;ob der Blick eher auf das Gesundheitssystem als Ganzes gerichtet wird oder auf die Versorgungsqualit&auml;t einzelner Leistungserbringer&ldquo;. Das sind keine &bdquo;Schwerpunkte&ldquo;, die anders gesetzt werden k&ouml;nnen, sondern kategoriale Unterschiede, deren Verwirrung zu folgenschweren Widerspr&uuml;chen f&uuml;hren wird.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bemerkungen zur Gesundheitsversorgung<\/h1>\n\n\n\n<p>Man denkt an den &sect; 1 der Berufsordnung f&uuml;r die in Deutschland t&auml;tigen &Auml;rztinnen und &Auml;rzte, wo es hei&szlig;t &bdquo;&Auml;rztinnen und &Auml;rzte dienen der Gesundheit des einzelnen Menschen und der Bev&ouml;lkerung&ldquo;. In der Reichs&auml;rzteordnung (1935) hie&szlig; das noch &bdquo;Dienst an der Gesundheit des einzelnen Menschen und des gesamten Volkes&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dienst an der Gesundheit f&uuml;hrt zur ungl&uuml;cklichen Bildung des Wortes &bdquo;Gesundheitsversorgung&ldquo;. Eine Versorgung mit Gesundheit ist nat&uuml;rlich gar nicht m&ouml;glich, weil Gesundheit kein Produkt und keine Dienstleistung ist, mit der man Menschen versorgen k&ouml;nnte wie mit Lebensmitteln, Strom oder Wasser. Fr&uuml;her sprach man von &bdquo;Krankenversorgung&ldquo;, was insoweit noch Sinn machte, als man an Leistungen dachte, mit denen Kranke versorgt oder umsorgt werden, damit sie keinen Mangel leiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die Bereitstellung von Leistungen zur Feststellung, Behandlung, Vorbeugung von Krankheiten, zur Wiederherstellung nach einer Krankheit und der Pflege zusammenfassend als Gesundheitsversorgung bezeichnen m&ouml;chte, muss man sich vergegenw&auml;rtigen, dass dann immer die Leistungen selbst Gegenstand der Qualit&auml;tsbetrachtung sind und nicht etwa ein Abstraktum wie &bdquo;die&ldquo; Gesundheitsversorgung &bdquo;der&ldquo; Bev&ouml;lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur klaren Unterscheidung sollte man das politische, wirtschaftliche und soziale System, in dem die Leistungen bereitgestellt werden, als &bdquo;Gesundheitssystem&ldquo; bezeichnen. Auch dann muss man sich klar sein, dass wir die Bezeichnung &bdquo;Gesundheitssystem&ldquo; einmal f&uuml;r eine geschlossene, konkrete Organisation verwenden wie z. B. das Englische National Health System oder &auml;hnlich in Irland, D&auml;nemark, Schweden. Zum Anderen bezeichnen wir damit das Zusammenwirken etlicher Organisationen wie Krankenkassen, Leistungserbringer, Fachgesellschaften und Gesundheitsverwaltungen, das ganz und gar nicht systematisch, sondern eher chaotisch wirkt wie z. B. in Deutschland oder den USA. Man spricht &ndash; um dem besser gerecht zu werden &ndash; seit einiger Zeit auch von &bdquo;Gesundheitswirtschaft&ldquo; oder &bdquo;Gesundheitsmarkt&ldquo;. Wegen der Konnotationen bevorzuge ich &bdquo;System der Gesundheitsversorgung&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben gibt es einen &ouml;ffentlichen Gesundheitsdienst (&Ouml;GD), dessen Aufgaben durch Gesetz geregelt sind. Er ist in unteren Gesundheitsbeh&ouml;rden (Gesundheits&auml;mtern) organisiert und damit den Marktkr&auml;ften weitgehend entzogen. Der &Ouml;GD k&uuml;mmert sich weniger um die Gesundheit des einzelnen Menschen, sondern hat eher die F&ouml;rderung und den Schutz der Gesundheit der Bev&ouml;lkerung insgesamt im Blick. Auch die Qualit&auml;t des &Ouml;GD kann man betrachten &ndash; das ist aber nicht Auftrag des IQTiG.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann also formulieren: In jedem Staat kann man einen mehr oder minder systematisch organisierten und abgrenzbaren Wirtschaftsbereich identifizieren, der Leistungen zur Feststellung, Behandlung, Vorbeugung von Krankheiten, zur Wiederherstellung nach einer Krankheit und der Pflege erstellt. Produktion, Distribution und Konsumtion der Leistungen h&auml;ngen von der jeweiligen politischen Gestaltung der Wirtschaftsbeziehungen ab, die von einer staatlichen Monopolregie &uuml;ber Mischformen regulierter Beziehungen von Leistungserbringern, -empf&auml;ngern und Kostentr&auml;gern bis hin zu einer Entfesselung des Marktes reichen k&ouml;nnen. Ohne Zweifel haben diese Gestaltungen Auswirkungen auf die Produktionskosten, die Preise, die lokale Verf&uuml;gbarkeit und &ndash; nat&uuml;rlich &ndash; auf die Qualit&auml;t der Leistungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Qualit&auml;t der Leistungen wird jedoch unabh&auml;ngig davon beurteilt, ob die politischen Rahmenbedingungen nun g&uuml;nstig sind oder nicht &ndash; sonst k&ouml;nnte man die Auswirkung ge&auml;nderter Rahmenbedingungen auf die Qualit&auml;t der Leistungserbringung ja gar nicht bewerten! Das gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r die Preise und lokale Verf&uuml;gbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bemerkungen zu den &bdquo;Anforderungen&ldquo;<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Definition des IQTiG beschr&auml;nkt die Anforderungen an das Objekt der Betrachtung auf solche, &bdquo;die patientenzentriert sind und mit professionellem Wissen &uuml;bereinstimmen&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>DIN EN ISO 9001:2015 definiert &bdquo;3.6.4 Anforderung [als] &bdquo;Erfordernis oder Erwartung, das oder die festgelegt, &uuml;blicherweise vorausgesetzt oder verpflichtend ist&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es bei Gesundheitsversorgung immer um Patienten geht, sind alle Anforderungen irgendwie patientenzentriert. Das Merkmal dient dann nicht mehr der Unterscheidung. Es ist nicht mehr als ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Adjektiv und so nichtssagend wie &bdquo;Der Patient steht immer im Mittelpunkt&ldquo;! Soll die Qualit&auml;t der medizinischen Behandlungen betrachtet werden, steht der Behandlungsprozess &bdquo;im Zentrum&ldquo;, wenn man so will. Anforderungen m&uuml;ssen aus der Sicht der Patienten gestellt werden &ndash; etwas Anderes macht keinen Sinn. Ist das mit Patientenzentrierung gemeint? Was ist aber mit Anforderungen, die gar nicht patientenzentriert sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man Anforderungen aus normativen Dokumenten als verpflichtend oder allgemein vorausgesetzt bezeichnet, k&ouml;nnten sie aufgez&auml;hlt werden. L&auml;ngst nicht alle sind patientenzentriert. M&ouml;glicherweise k&ouml;nnen Organisationen, interessierte Parteien und Kunden (Patienten) gleichgerichtete, sich widersprechende oder sogar sich ausschlie&szlig;ende Anforderungen stellen. Diese Problematik wird hier unterschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch problematischer ist die Einschr&auml;nkung auf die &Uuml;bereinstimmung mit professionellem Wissen. Welche Anforderungen gemeint sind, bleibt unklar. Daf&uuml;r sind Umfang und Inhalt des &bdquo;professionellen Wissens&ldquo; viel zu vage. Was ist und wo beginnt und wo endet Professionalit&auml;t? Welcher Profession? Oder ist eine Fachdisziplin gemeint? Oder Fachkreise? Setzt sie eine staatliche Approbation oder andere Anerkennung voraus? In welcher Berufsgruppe herrscht ein allgemeiner Konsens &uuml;ber die Anerkennung des Wissens? Und wer hat das Wissen zu Anforderungen so explizit ausgedr&uuml;ckt, dass die Konformit&auml;t festgestellt werden kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Werden damit alle Anforderungen ausgeschlossen, die nicht auf professionellem Wissen beruhen? M&uuml;ssen Anforderungen &uuml;berhaupt mit Wissen &uuml;bereinstimmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir einmal den Fall eines Menschen, der an einem seltenen und bisher t&ouml;dlich verlaufenden Krebs erkrankt ist. An die klinische Behandlung wird die Anforderung gestellt, sie solle wirksam und sicher sein. Nach professionellem Wissen gibt es keine Therapie, die diese Anforderung erf&uuml;llt. Oder es gibt (noch) keine evidence f&uuml;r ihre Wirksamkeit &ndash; was nicht dasselbe ist. Soweit richtig. Die Anforderung bleibt deswegen aber doch bestehen und niemand wird ihr widersprechen. Die Anforderung wird aus der Sicht des Patienten unabh&auml;ngig von ihrer Erf&uuml;llbarkeit erhoben. Weil das so ist, suchen die Fachdisziplinen nach wirksamen Mitteln, erproben sie, erweitern ihr Wissen und verbessern so die Behandlung &ndash; um die Anforderung erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das professionelle Wissen bezieht sich immer auf die Merkmale einer Leistung &ndash; Anforderungen m&uuml;ssen nicht mit professionellem Wissen begr&uuml;ndet werden. Wenn &bdquo;patientenzentriert&ldquo; irgendeinen Sinn machen soll, dann muss man sich von dem Gedanken verabschieden, eine wohlwollende Korporation begrenze die Anforderungen an die Qualit&auml;t medizinischer Leistungen auf das, was mit ihrem Wissen &uuml;bereinstimmt &ndash; einem Wissen, das ihr kraft ihres beruflichen Daseins zugewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Qualit&auml;t der Gesundheitsversorgung w&auml;re dann der Grad, zu dem die Versorgung so ist, wie sie nach den Vorstellungen einiger Leute sein sollte, ohne anzugeben, wer die Leute sind und welche Anforderungen sie stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgerichtig wird in dem Methodenpapier weiter unten auch mehr von Vorgaben als von Anforderungen gesprochen. Institutionen machen Vorgaben, Patienten stellen Anforderungen. F&uuml;r eine &bdquo;Patientenzentrierung&ldquo; macht das den Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bemerkung zu &bdquo;Merkmale und Dimensionen&ldquo;<\/h1>\n\n\n\n<p>Die Konfusion wird im Weiteren durch die unklare Verwendung des Begriffes &bdquo;Dimension&ldquo; verst&auml;rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung &bdquo;Dimension&ldquo; l&auml;sst sich bis zu DONABEDIAN<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> (und &uuml;ber ihn hinaus) zur&uuml;ckverfolgen. Sie wird seitdem vielfach wiederholt. Daneben wurden &bdquo;Komponenten der Qualit&auml;t&ldquo;, &bdquo;grundlegende Qualit&auml;tsaspekte&ldquo;, &bdquo;Kernziele des Gesundheitssystems&ldquo; oder &bdquo;Dom&auml;nen&ldquo; vorgeschlagen. Sicherlich hat DONABEDIAN<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> seine Trias Struktur, Prozess, Ergebnis nicht als &bdquo;Messdimensionen&ldquo; verstanden. Er war vielmehr auf der Suche nach Merkmalen, an denen sich &bdquo;gute&ldquo; Gesundheitsversorgungssysteme erkennen lie&szlig;en.<\/p>\n\n\n\n<p>&bdquo;Dimension&ldquo; ist hier eine ungl&uuml;ckliche Bezeichnung. &Uuml;blicherweise steht sie f&uuml;r Ausmessung, Ausdehnung oder Abmessung z. B. eines K&ouml;rpers nach L&auml;nge, Breite, H&ouml;he oder f&uuml;r Ausma&szlig; im Hinblick auf eine r&auml;umliche, zeitliche und begriffliche Erfassbarkeit<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a>. Jede Dimension hat einen eigenen von den anderen unabh&auml;ngigen Basisvektor. In der Physik gibt die Dimension an, in welcher Potenz die drei Grundeinheiten (g, cm, sec) in eine bestimmte Gr&ouml;&szlig;e eingehen<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Alles das ist hier ja gar nicht gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Vermessung von soziokulturellen Systemen der Gesundheitsversorgung kann man vielleicht im metaphorischen Sinn von &bdquo;Dimensionen&ldquo; sprechen wie DONABEDIAN es getan hat. Will man jedoch die Systeme vergleichen, dann muss man Merkmale benennen, an denen sich die Unterschiede festmachen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier leidet das Konzept des IQTiG an seiner unklaren Sprache: Es hei&szlig;t dort:<\/p>\n\n\n\n<p>&bdquo;Solche grunds&auml;tzlichen Anforderungen an die Gesundheitsversorgung werden h&auml;ufig in Form von grundlegenden Qualit&auml;tsdimensionen in einem Rahmenkonzept (conceptual framework) f&uuml;r Qualit&auml;t zusammengefasst&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>K&ouml;nnen &bdquo;grunds&auml;tzliche Anforderungen&ldquo; &hellip; &bdquo;in Form von grundlegenden Qualit&auml;tsdimensionen&ldquo; zusammengefasst werden? Was soll es hei&szlig;en, dass die Patientenzentrierung als &uuml;bergreifendes Leitbild aller Dimensionen zu verstehen sei? Ein Leitbild f&uuml;r Dimensionen? Wo liegt dann der Unterschied zwischen Anforderung und Dimension? Zugestanden wird zumindest, dass sich Anforderungen oder Dimensionen darin unterscheiden, &bdquo;ob der Blick eher auf das Gesundheitssystem als Ganzes gerichtet wird oder auf die Versorgungsqualit&auml;t einzelner Leistungserbringer&ldquo;. Die dort aufgef&uuml;hrten Beispiele passen aber gar nicht zu beiden Blickrichtungen:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Versorgungssystem kann Wirksamkeit, Sicherheit und &bdquo;Ausrichtung an den Bed&uuml;rfnissen der Patientinnen und Patienten&ldquo; von Behandlungsleistungen f&ouml;rdern oder behindern, aber sie sind selbst keine Eigenschaften des Systems, an denen man den Unterschied ablesen k&ouml;nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die genannten &bdquo;Dimensionen&ldquo; sind bei genauerer Betrachtung alles Merkmale von Leistungen, die in der medizinischen Behandlung erbracht werden: Wirksamkeit, Patientensicherheit, Ausrichtung der Versorgungsgestaltung an den Patientinnen und Patienten, Rechtzeitigkeit und Verf&uuml;gbarkeit, Angemessenheit, Koordination und Kontinuit&auml;t. &bdquo;Patientensicherheit&ldquo; ist als Merkmal etwas missverst&auml;ndlich. Mit dem Wort ist ja eigentlich der Schutz vor den Gefahren der Medizin meint. Gemeint ist die Sicherheit oder besser: Unsicherheit medizinischer Leistungen. Aber so haben wir das immer auch verstanden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Messung von Merkmalen<\/h1>\n\n\n\n<p>Diese Merkmale (und etliche andere) lassen sich messen oder pr&uuml;fen. Genau das soll und m&ouml;chte das IQTiG tun. Ganz richtig handelt das Methodenpapier des IQTiG im Abschnitt 5.1 dann auch von Merkmalen, im Abschnitt 5.2.3 taucht dann sogar die fachlich korrekte Definition des Qualit&auml;tsmerkmals auf!&nbsp; Umso unverst&auml;ndlicher ist mir, warum die Merkmale aus der Definition der Qualit&auml;t verschwunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Text des Methodenpapiers wird die Bezeichnung &bdquo;Qualit&auml;tsmerkmal&ldquo; zunehmend h&auml;ufiger benutzt. Die Verwendung weicht aber vom fachlich &uuml;blichen Gebrauch deutlich ab. Warum das so ist, wird aber nicht erl&auml;utert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der so aufw&auml;ndigen Kl&auml;rung der Begriffe gehen wieder Merkmale, Qualit&auml;tsmerkmale, Qualit&auml;tsaspekte, Qualit&auml;tsmodelle, Qualit&auml;tsindikatoren, Qualit&auml;tsdimensionen, Qualit&auml;tsziele und Anforderungen durcheinander. Wie soll man einen Satz verstehen wie diesen: &bdquo;Erst mit den Qualit&auml;tsmerkmalen werden konkrete Anforderungen an die medizinische Versorgung f&uuml;r einen spezifischen Aspekt gestellt, anhand deren Erf&uuml;llung die Versorgungsqualit&auml;t bewertet werden kann. Diese Anforderungen werden als Qualit&auml;tsziele bezeichnet.&ldquo;<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann quantitative Merkmale messen. Qualitative Merkmale kann man pr&uuml;fen. Qualit&auml;t als Grad der Erf&uuml;llung kann man absch&auml;tzen &ndash; messen kann man sie nicht, Aspekte und Dimensionen auch nicht. Ziele schon gar nicht &ndash; die werden gesetzt. Anforderungen werden erhoben. Selbst Merkmale lassen sich manchmal nur indirekt &uuml;ber Indikatoren messen. Ohne dieses Eingest&auml;ndnis kann man sinnvoll nicht &uuml;ber Pr&uuml;f- und Messmethoden sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mess- und Pr&uuml;fmethoden f&uuml;r Design- oder Performanz-Merkmale unterscheiden sich erheblich, besonders dann, wenn sie qualitative oder quantitative Merkmale betreffen. Bei Performanz-Merkmalen wird meistens ein Pr&uuml;fmerkmal (Indikator) &uuml;ber die Zeit betrachtet. Merkmale der Annehmbarkeit sind nicht immer inh&auml;rent und unterliegen einem sozialen und kulturellen Einfluss. Die Angemessenheit einer Behandlung l&auml;sst sich nur im Einzelfall bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer das alles f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssige Haarspalterei halten will, wird sich noch umschauen, wenn in Zukunft ein au&szlig;erordentlich guter oder unzureichender Grad der Erf&uuml;llung von Anforderungen so genau ermittelt werden soll, dass damit Zu- oder Abschl&auml;ge begr&uuml;ndet werden k&ouml;nnen. Da geht es um mehr oder weniger Geld. Einen solchen Unterschied muss man irgendwie &bdquo;merkbar&ldquo; machen, sonst wird das Ergebnis angefochten.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Literatur<\/h1>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> DIN Deutsches Institut f&uuml;r Normung e. V. Norm DIN EN ISO 9000:2015, 0.11.2015: Qualit&auml;tsmanagementsysteme &ndash; Grundlagen und Begriffe. Beuth Berlin 2015<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Lohr, Kathleen (Hg.) (1990): A Strategy for Quality Assurance. A report of a study by a committee to desigan a strategy for quality review and Assurance in Medicare. Institute of Medicine, Division of Health Care Services. 2 B&auml;nde. Washington D.C., USA: National Academy Press<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Donabedian, Avedis (1980): Explorations in quality assessment and monitoring. Ill. Ann Arbor, Mich.: Health Administration Pr.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Donabedian, Avedis (1966): Evaluating the Quality of Medical Care. In: Milbank Q Milbank Memorial Fund Quarterly Health and Society 44, S. 166&ndash;203.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Duden Das gro&szlig;e Fremdw&ouml;rterbuch 4. Auflage Mannheim und Leipzig 2007<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Regenbogen A; Meyer U. W&ouml;rterbuch der philosophischen Begriffe. Meiner Hamburg 2013).<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Versionskontrolle:<\/p>\n\n\n\n<p>Version 1.0 2019-06-19<\/p>\n\n\n\n<p>Version 1.1 2019-10-13<\/p>\n\n\n\n<p>Version 1.2 2020-01-27<\/p>\n\n\n\n<p>Version 1.3.2021-02-05 mit Literaturverzeichnis<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&copy; Dr. U. Paschen 2021<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdruck unter Quellenangabe und Abgabe eines Belegexemplars erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Beitr&auml;ge zur Guten Praxis in Medizin und Wissenschaft gibt&acute;s unregelm&auml;&szlig;ig von<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. U. Paschen QM Beratung in Medizin und Wissenschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Dorfstr. 38 24857 Fahrdorf<\/p>\n\n\n\n<p>Telefon. 04621 4216 208; Mobil 0177 2125058, <a href=\"mailto:upaschen@web.de\">upaschen@web.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Verantwortlich: Dr. med. Ulrich Paschen<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere elektronische Briefe auf unserer Website unter &bdquo;Fachbeitr&auml;ge&ldquo;:<br><a href=\"http:\/\/www.qm-beratung-krankenhaus.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.qm-beratung-krankenhaus.de<\/a> und http:\/\/www.gutehospitalpraxis.de<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Institut f\u00fcr Qualit\u00e4t und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) hat in seinem Methodenpapier[i] einen Versuch unternommen, \u201eQualit\u00e4t im Gesundheitswesen\u201c zu definieren.<\/p>\n<p>Jeder kann, wenn er denn einige Regeln einh\u00e4lt, ein Konzept so definieren wie er es f\u00fcr richtig und praktisch h\u00e4lt. Er kann auch eine Bezeichnung daf\u00fcr w\u00e4hlen, die ihm gef\u00e4llt. 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