{"id":329,"date":"2021-01-22T17:32:09","date_gmt":"2021-01-22T16:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/qm-beratung-krankenhaus.de\/?p=329"},"modified":"2025-01-10T11:08:24","modified_gmt":"2025-01-10T10:08:24","slug":"commentaires-papier-ag-soins-qualite-des-soins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/kommentare-papier-ag-pflege-qualitaet-in-der-pflege\/","title":{"rendered":"Commentaires sur le document du GT Soins"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorweg<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kontext der Definition von Qualit&auml;t sollte nicht bei der Pflege, sondern dort gesucht werden, wo das Wort &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; benutzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>&Uuml;ber Qualit&auml;t kann man in vielen Zusammenh&auml;ngen sprechen: in der Philosophie als Beschaffenheit oder Wesen. Qualit&auml;t als Gegenteil von Quantit&auml;t oder wenn Quantit&auml;t in Qualit&auml;t umschlagen soll. Bei Sorten von Material (Tuch in Manchester-Qualit&auml;t) oder bei Arzneimitteln, auf deren pharmazeutische Qualit&auml;t es ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen empfehle ich, zun&auml;chst den Kontext zu benennen, in dem hier &uuml;ber &bdquo;Qualit&auml;t in der Pflege&ldquo; gesprochen werden soll.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>F&uuml;r die Arbeitsgruppe einer Fachgesellschaft kommt nur der Kontext &bdquo;Qualit&auml;tsmanagement&ldquo; infrage, wenn sie &bdquo;Qualit&auml;t definieren will..<\/p>\n\n\n\n<p>Im QM wird immer &uuml;ber die Qualit&auml;t gesprochen von<\/p>\n\n\n\n<p>(1)&nbsp;&nbsp; Produkten oder (Dienst)leistungen, die von einem Anbieter (hier: die Pflegenden) f&uuml;r jemanden (hier Menschen, die der Pflege bed&uuml;rfen) erstellt werden. Sie sind insoweit immer &bdquo;kundenzentriert&ldquo;.<\/p>\n\n\n\n<p>(2)&nbsp; Dazu geh&ouml;rt ein gewisser organisatorischer Rahmen. Die Leistung muss im Zusammenwirken mehrerer Menschen erbracht werden. Bei Pflege durch eine Einzelperson macht es keinen Sinn, von QM zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>(3)&nbsp; In den Kontext geh&ouml;rt weiter, dass die Leistung immer f&uuml;r eine Gegenleistung erstellt wird (Austausch). In dem Papier der AG wird das sehr richtig als Abgrenzung der professionellen zur Laienpflege hervorgehoben. Letztere kann zwar auch gut oder schlecht sein. Man kann auch an barmherzige Leistungen durchaus Anforderungen stellen. Man kann deren Erf&uuml;llung aber nicht einklagen.<\/p>\n\n\n\n<p>&Uuml;ber &bdquo;Qualit&auml;t in der Pflege&ldquo; zu reden, macht Sinn nur im Kontext der professionellen Pflege. Sie bietet abgrenzbare Einzelleistungen an, die oft zu gr&ouml;&szlig;eren Komplexen geb&uuml;ndelt werden. Sie geht aus einer institutionellen Kooperation hervor (Krankenhaus, Pflegeheim, Pflegedienst o. &Auml;.). Sie beruht auf einer beruflichen Ausbildung. Sie wird bezahlt, weil die Leistungserbringer ihren Lebensunterhalt darauf aufbauen. QM dient dazu, die Erstellung der Leistung so zu organisieren, dass die Anforderungen derer erf&uuml;llt werden, f&uuml;r die sie erbracht werden &ndash; etwas anderes macht keinen Sinn. Manchmal ist es erforderlich, den Nachweis zu f&uuml;hren, dass das Ergebnis erreicht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Um QM zu betreiben, muss man wissen, was mit Qualit&auml;t gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Logisch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommentar 1<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Definition des IOM (1990!) ist unzureichend. Sie hat drei schwerwiegende Fehler:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sie nennt Gesundheitsdienstleistungen f&uuml;r Individuen und f&uuml;r Populationen in einem Atemzug. Das, was dann mit &bdquo;desired health outcomes&ldquo; herauskommt, sind aber sehr unterschiedliche outcomes. Bei einer Epidemie wirken wir mit pflegerischen Leistungen auf einzelne Patienten ein und messen den Erfolg am einzelnen Patienten. Das ist patientenzentriert. Ma&szlig;nahmen, die auf die Population gerichtet werden, sind ganz andere. Das Ergebnis wird an statistischen Zahlen gemessen &ndash; der einzelne Mensch taucht nicht auf, weil diese Ma&szlig;nahmen populationszentriert sind.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Pflege ist immer patientenzentriert, nie populationszentriert. Wir k&ouml;nnen den Populationsaspekt hier also getrost weglassen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wenn man mal genau liest, dann erkennt man, dass gar nicht die Qualit&auml;t, sondern die Wirksamkeit definiert wird. Wirksamkeit ist das Merkmal einer Leistung, das die Wahrscheinlichkeit eines gew&uuml;nschten Ereignisses erh&ouml;ht. Oder anders ausgedr&uuml;ckt: die IOM-Definition reduziert die Qualit&auml;t auf Wirksamkeit. Erst 10 Jahre sp&auml;ter ist dieser Fehler durch den Bericht &bdquo;To Err Is Human&ldquo; korrigiert worden. Denn Sicherheit ist mindestens genauso wichtig wie Wirksamkeit. Schon deswegen sollte man die Definition von K. LOHR 1990 endlich verwerfen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Dienstleistungen sollen &bdquo;consistent&ldquo; (vereinbar, nicht widersprechend) mit professionellem Wissen sein. Was aber ist professionelles Wissen? Wer stellt das fest? &Auml;ndert sich das nicht st&auml;ndig? Wie sieht es mit Innovationen aus? Recht besehen ist dieser Teil der Definition ungeheuerlich: die Leistungen d&uuml;rfen den Meinungen des (&auml;rztlichen?) Berufsstandes nicht widersprechen. Florence Nightingale h&auml;tte keine Chance gehabt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Heute sagt man: sie m&uuml;ssen evidenzbasiert sein. Das meint aber etwas anderes: Die Aussagen &uuml;ber die Leistungen (wie wirksam, wie sicher oder annehmbar sie sind) m&uuml;ssen auf Belegen basieren. &bdquo;Evidenzbasiert&ldquo; ist also kein Qualit&auml;tsmerkmal der Leistung, sondern der Aussage &uuml;ber Leistungen. Wenn Oma mir K&uuml;mmeltee gegen Verstopfung empfiehlt, weil schon ihre Oma K&uuml;mmeltee empfohlen hat, dann ist das keine Evidence &ndash; kann aber trotzdem sehr wirksam sein, sicher sowieso, wg. des Geschmacks dagegen wenig annehmbar (unangenehm). Daf&uuml;r haben wir aber keine Belege, nur Omas Wort.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommentar 2<\/h3>\n\n\n\n<p>Leider hat das IQTIG drei Fehler &uuml;bernommen und einen hinzugef&uuml;gt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Versorgung von Populationen ist populationsorientiert. Eine Versorgung von Individuen ist patientenzentriert. Eins geht nur zurzeit. Eine Versorgung von Populationen ist eben nicht patientenzentriert. Aber die Pflege braucht diesen Punkt nur zu streichen. Sie ist nie populationsorientiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Immerhin &uuml;bernimmt die IQTIG-Definition eine Formulierung aus der DIN EN ISO 9000:2015: die &bdquo;Erf&uuml;llung von Anforderungen&ldquo;. Woran kann man aber erkennen, ob die Anforderungen erf&uuml;llt werden? Das erf&auml;hrt man nicht. Die ISO sagt dagegen klar: die Merkmale der Leistung m&uuml;ssen die Anforderungen erf&uuml;llen. Nicht nur ein Merkmal, sondern ein &bdquo;Satz von Merkmalen&ldquo;. &bdquo;Ein Satz von&ldquo; meint Merkmale, die zusammengeh&ouml;ren aber nicht miteinander verrechnet werden d&uuml;rfen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Leistung oder Produkt als Gegenstand der Betrachtung sind von der ISO 9000 ganz konkret gemeint &ndash; eben die einzelnen Pflegeleistungen, nicht ein abstrakter Sammelbegriff wie &bdquo;die&ldquo; Pflege. &bdquo;Versorgung von Einzelpersonen&ldquo; ist die Bezeichnung f&uuml;r eine Menge von pflegerischen Leistungen, von denen jede f&uuml;r sich Anforderungen erf&uuml;llt oder eben nicht. Weil die IQTIG-Definition den Gegenstand der Betrachtung als &bdquo;Versorgung&ldquo; unbestimmt und den &bdquo;Satz von Merkmalen&ldquo; unter den Tisch fallen l&auml;sst, ist die Definition verdorben.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die IQTIG-Definition f&uuml;gt einen weiteren Fehler hinzu: W&auml;hrend in der IOM-Definition die &bdquo;health services&hellip;consistent with current professional knowledge sein m&uuml;ssen, sollen in der IQTIG-Definition die Anforderungen &bdquo;in Einklang mit professionellem Wissen stehen&ldquo;. Was auch immer &bdquo;Einklang&ldquo; hei&szlig;en soll &ndash; eins muss klar sein: Anforderungen sind nicht abh&auml;ngig vom Wissen. Wenn ich die Anforderung habe, von meinem Krebs geheilt zu werden, die &Auml;rzte mir aber erkl&auml;ren, zurzeit g&auml;be es kein wirksames Heilmittel, dann haben sie ja recht &ndash; meine Anforderung &auml;ndert sich dadurch aber nicht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommentar 3<\/h3>\n\n\n\n<p>Ob man den oder die, f&uuml;r die eine Pflegeleistung bestimmt ist, nun Patient\/in oder Bewohner\/in nennt, &uuml;berlasse man dem allgemeinen Sprachgebrauch. Im Krankenhaus ist es der Patient, im Wohnheim der Bewohner, in der Pflege die zu Pflegenden. Oder analog zum Impfling (dem zu Impfenden) vielleicht der Pflegling? Da ringen wir immer noch um eine treffende Bezeichnung. &bdquo;Pflegebed&uuml;rftiger Mensch&ldquo; ist genau das, was gemeint ist, ist aber weder ein gebr&auml;uchlicher noch ein besonders sch&ouml;ner Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommentar 4<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung &bdquo;Patientensicherheit&ldquo; hat sich durchgesetzt. Sie verdeckt aber, dass damit die Sicherheit der Leistungen f&uuml;r den Patienten gemeint ist. Sicherheit ist ein Merkmal der Leistung, nicht des Patienten. Richtiger w&auml;re also Schutz der Patienten vor der Unsicherheit der Medizin. Nun gut. Jeder wei&szlig;, was gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht klug finde ich die Unterscheidung von vermeidbaren und unvermeidbaren Unerw&uuml;nschten Ereignissen (UE). Auch angeblich unvermeidbare sind ja unerw&uuml;nscht und k&ouml;nnen ziemlich unangenehm sein. Ein Verfahren, bei dem mehr &bdquo;unvermeidbare&ldquo; UEs auftreten, ist eben unsicherer als eins mit weniger. Ein Verfahren, mit dem diese doch vermeidbar sind, ist dann besser.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommentar 5<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich w&uuml;rde durchg&auml;ngig von Merkmalen sprechen, nicht von Dimensionen. Das w&auml;re fachlich richtig. In der Grafik sind ja auch Merkmale genannt. Die Bezeichnung &bdquo;Dimensionen&ldquo;, wie sie bei Donabedian und unter Berufung auf ihn auch vom IQTIG benutzt wird, ist im QM ungebr&auml;uchlich und widerspricht dem allgemeinen Sprachgebrauch.&nbsp; Oder wer nennt Wirksamkeit und Sicherheit &bdquo;Dimensionen&ldquo; eines Arzneimittels?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kommentar 6<\/h3>\n\n\n\n<p>Alles, was von hieran folgt, schl&auml;gt sich mit dem Problem der Leistungserstellung unter erschwerten Bedingungen herum und wie Qualit&auml;t unter eingeschr&auml;nkten Ressourcen m&ouml;glich w&auml;re.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geh&ouml;rt alles nicht mehr zum Qualit&auml;tsbegriff, sondern zu den Voraussetzungen, unter denen versucht wird, die Anforderungen zu erf&uuml;llen. Ich schlage vor, diese Abs&auml;tze zu streichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht w&auml;re hier aber der Platz, mal den Gedanken der Anspruchsklasse zu erl&auml;utern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das &bdquo;Fazit&ldquo; ist noch sehr verworren und grammatikalisch nicht immer richtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zusammenfassende Darstellung als Definition im vorletzten Absatz erf&uuml;llt nicht die Anforderungen an eine Definition. Sie nimmt das vorher gesagte nicht richtig auf. Das gilt auch f&uuml;r den letzten Absatz. Ich w&uuml;rde diese beiden Abs&auml;tze ohne &Uuml;berarbeitung nicht hinausgehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Durcharbeiten des Dokumentes habe ich den Text kr&auml;ftig redigiert. Vielleicht gef&auml;llt Ihnen ja das Eine oder Andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Fahrdorf, den 2020-04-09<br>[\/av_textblock]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Le contexte de la d\u00e9finition de la qualit\u00e9 ne devrait pas \u00eatre recherch\u00e9 dans les soins, mais l\u00e0 o\u00f9 le mot \"qualit\u00e9\" est utilis\u00e9.<\/p>","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[70],"tags":[],"class_list":["post-329","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-begriffe-des-qualitaetsmanagements","no-post-thumbnail"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=329"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14159,"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/329\/revisions\/14159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gutehospitalpraxis.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}